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Und täglich grüßt das Murmeltier...

"Am 4. Februar haben die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wieder mal aus der Zeitung erfahren, wie gut sie verdienen", so Dr. Christoph Reisner, MSc, Präsident der NÖ Ärztekammer. "Das sind schon große Beträge, die der Generaldirektor der NÖ Gebietskrankenkasse nennt, wenn er von 250.000 Euro berichtet, die ein niedergelassener Arzt in Niederösterreich angeblich verdienen würde", so der Ärztekammerchef weiter. "Ob Mag. Pazourek den Unterschied zwischen Einkommen und Umsatz nicht kennt oder einfach nur provozieren will, ist uns nicht bekannt. Der leitende Verantwortliche für die wirtschaftlichen Belange der Gebietskrankenkasse und Kenner der Sachlage sollte das eigentlich beherrschen. Leider finden sich immer wieder willfährige Journalisten, die diesen Unsinn entweder glauben oder trotz besserem Wissen vorsätzlich verbreiten. Zum nachhaltigen Schaden der Ärzteschaft."

MR Dr. Dietmar Baumgartner, der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte stellt klar: "Mit einem Umsatz von 250.000 Euro entsteht bei einem niedergelassenen Arzt ein Nettoeinkommen von zwischen 50.000 Euro und 60.000 Euro pro Jahr. Das sind umgerechnet auf das Gehalt eines Angestellten zwischen 3.600 Euro und 4.200 Euro pro Monat." Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte führen aber im Gegensatz zu Angestellten eigene Betriebe, die sie selbst finanziert haben und dem öffentlichen Gesundheitssystem zu Sozialtarifen zur Verfügung stellen. "Wir alle arbeiten deutlich mehr als 50 Stunden pro Woche, die Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner haben im Schnitt jedes dritte Wochenende Dienst. Und wir haben keinerlei Anspruch auf bezahlten Urlaub oder etwa Krankenstand", führt Dr. Baumgartner aus.

"Jeder möge sich nun ein Bild machen, ob diese Entlohnung angemessen ist oder nicht", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Sie ist jedoch weit entfernt von dem, was mit schöner Regelmäßigkeit in der Zeitung steht." Aus seiner Sicht würde es ja auch an ein Wunder grenzen, wenn sich bei solch aberwitzigen Einkommensgrößen niemand für eine Stelle bewerben würde. "Tatsache ist leider, dass unsere Ärztinnen und Ärzte kaum noch Interesse haben, diese Kassenstellen zu besetzen. Und diese ständige, miese Berichterstattung über unsere Berufsgruppe trägt auch nicht dazu bei, dass die Besetzungsprobleme lösbar werden", fährt Präsident Dr. Reisner fort. "Bedauerlich ist vor allem auch die mangelhafte Wertschätzung durch unseren Vertragspartner, der mit solchen Aussagen die wertvolle Arbeit unserer Kolleginnen und Kollegen mit Füßen tritt."