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Immer mehr österreichische Ärztinnen und Ärzte wandern ab

Immer mehr österreichische Ärztinnen und Ärzte wandern ab

Die Abwanderung österreichischer Ärztinnen und Ärzte reiße mittlerweile personelle Lücken auf, die derzeit nur noch durch Zuwanderung vor allem aus dem EU-Ausland gefüllt werden könnten. Betroffen seien nicht nur Facharztstellen, sondern auch Turnusplätze. Für die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) ist dies ein Zeichen dafür, dass die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für österreichische Ärztinnen und Ärzte dramatisch verbessert und an jene der bevorzugten Migrationsländer angepasst werden müssten. Nur eine offensive Stellenpolitik könne eine weitere Abwanderung österreichischer Ärzte ins Ausland verhindern, so ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger Sonntag in einer Aussendung.

"Es ist auch aus wirtschaftlichen Gründen kontraproduktiv, in Österreich ausgebildete qualifizierte Medizinerinnen und Mediziner ziehen zu lassen. Schließlich zahlen sie ihre Steuern nicht hier, sondern in jenem Land, das ihnen bessere Bedingungen bietet. Daher ist alles zu unternehmen, das Arbeitsumfeld in den heimischen Spitälern und Ordinationen attraktiver zu gestalten, um diese Ärztinnen und Ärzte im Land zu behalten, sagte Peter Niedermoser, Präsident des wissenschaftlichen Beirats der Akademie der Ärzte.

Mit dem internationalen Migrations-Karussell, das durch die schleppende Reaktionsfähigkeit im österreichischen Gesundheitssystem in Gang gesetzt wird, sei niemandem gedient. Denn gleichzeitig sei ein wachsendes Interesse ausländischer Ärztinnen und Ärzte vor allem aus Osteuropa zu verzeichnen, in Österreich tätig zu sein, so Niedermoser. Die Zahl der über die Akademie abgewickelten obligatorischen Deutschprüfungen für ausländische Medizinerinnen und Mediziner sei in den vergangenen Jahren nach oben geschnellt, ein Ende des Andrangs sei nicht in Sicht. Niedermoser: "Bisher haben wir im Jahr 2014 bereits 200 Prüfungen abgenommen, die weiteren Termine 2014 sind weitgehend ausgebucht." Besonders groß sei das Interesse bei Ärzten aus Ungarn, der Slowakei und Rumänien. "Sie übernehmen vakante Stellen, die mit einheimischen Ärzten nicht mehr besetzt werden können, weil diese dem Land den Rücken kehren und ihr berufliches Heil im Ausland suchen", so Niedermoser.

"Österreich steht im internationalen Wettbewerb. Die Einrichtungen im heimischen Gesundheitssystem müssen sich mit dem Ausland messen", ergänzte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger. Das betreffe die ärztliche Ausbildung, die Arbeitssituation für die Spitalsärzteschaft, aber auch die Rahmenbedingungen für die ärztliche Tätigkeit in den Ordinationen. Der ÖÄK-Präsident forderte abschließend eine aktive und offensive Stellenpolitik im österreichischen Gesundheitssystem, die es für Ärztinnen und Ärzte wieder erstrebenswert mache, in heimischen Spitälern und Ordinationen zu arbeiten.