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Appell an die österreichische Gesundheitspolitik: Die Finanzierung der Psychotherapie muss mit Priorität verbessert werden

Appell an die österreichische Gesundheitspolitik: Die Finanzierung der Psychotherapie muss mit Priorität verbessert werden

Der Finanzausgleich ist ausverhandelt und im Zuge dessen wurde die Finanzierung der öffentlichen Gesundheitsversorgung sichergestellt. Zwei Fakten sind nach wie vor aktuell: Der Anstieg psychischer Erkrankungen und die mangelhafte Finanzierung eben dieser.

80.000 Personen gehen pro Jahr wegen psychischer Erkrankungen in den Krankenstand und diese Krankenstände dauern wesentlich länger als bei sonstigen Erkrankungen. Die gesamtwirtschaftlichen Kosten belaufen sich dabei auf rund 3,3 Milliarden Euro jährlich.

In den vergangenen drei Jahrzehnten war ein rasanter Anstieg von psychischen Erkrankungen als Ursache für Frühpensionierungen zu verzeichnen. 2013 erfolgten bereits 35% aller Neuzugänge zur Frühpension aufgrund von psychischen Erkrankungen. Bei den befristeten Neuzugängen lag der Wert bei über 50%.

Mit der Zweckwidmung von 200 Millionen Euro gibt es nun erstmals eine vertraglich fixierte Finanzierungszusage der Länder und der Sozialversicherung. Ministerin Oberhauser freut sich „im Sinne der Patientinnen und Patienten“ über diesen Erfolg.
Genau in diesem Zusammenhang warnt der ÖBVP davor, den Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung zu vernachlässigen. Denn: Auch psychisch Erkrankte sind Patientinnen und Patienten und müssen von den Vorzügen dieser Primärversorgung profitieren. Je nach Bundesland sind für Psychotherapie Wartezeiten von 4 bis 8 Monaten üblich. Das widerspricht eindeutig dem Konzept der Versorgungsverbesserung.

In erster Linie fordert Dr. Peter Stippl, Präsident des ÖBVP, hier zumindest eine Erhöhung des Zuschusses der Krankenkassen für Psychotherapie, die diesen seit 25 Jahren nicht erhöht haben. Während die BVA den Zuschuss auf 40 Euro und die Bauernversicherung auf 50 Euro pro Stunde erhöht haben, stehen die anderen Krankenkassen noch immer bei 21,80 Euro Zuschuss pro Stunde.

Eine der wirtschaftlichen Situation angepasste Erhöhung, würde in vielen Fällen zu einem sofortigen Behandlungsbeginn führen. Dadurch würden Chronifizierungen verhindert und die Behandlungsdauer wäre kürzer und dadurch billiger.